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Wirtschaft

 
 

Am 23. Februar 2010 lud die die Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie der Wirtschaftskammer Niederösterreich zu einer Veranstaltung in die mach-bar in Klosterneuburg, die gemeinsam mit der Bezirksstelle der Wirtschaftskammer und dem ÖBM durchgeführt wurde. Das Thema des Abends war die Begleitung von Unternehmensübergaben durch WirtschaftsmediatorInnen.

Photo


Auf dem beiliegenden Photo sind (v.l.n.r., o.T.): Alfred Harl (Vorsitzender des Fachverbandes Unternehmensberatung und Informationstechnologie der WKO), Martin Czerny (Stadtrat der Gemeinde Klosterneuburg), Holger Herbrüggen (Gemeinderat von Klosterneuburg), Michael Mürwald, Mediator, Ilse Ennsfellner (Obfrau der Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie der WKNÖ), Markus Gschweidl (Jungunternehmer), Bernd Hanzal (Jungunternehmer), Franz Kandlhofer (Leiter der finanzpolitischen Abteilung der WKNÖ)

Etwa 70 BesucherInnen, unter ihnen Stadtrat Martin Czerny , Gemeinderat Holger Herbrüggen und der Bundessprecher des ÖBM Marianus Mautner, lauschten nach der Begrüßung durch Alfred Harl, Vorsitzender des Fachverbandes Unternehmensberater in der WKO, aufmerksam den Impulsreferaten von Franz Kandlhofer, Leiter der finanzpolitischen Abteillung der WKNÖ und Michael Mürwald, stv. Landessprecher der ExpertsGroup Wirtschaftsmediation und stv. ÖBM Landessprecher von Niederösterreich .

Herr Kandlhofer berichtete in seinem Impulsreferat über einige sehr interessante Zahlen:

Österreichweit:
Übergabepotential von Unternehmen für die Jahr 2009 – 2013 in der gewerblichen Wirtschaft: 29 000 potentielle Übergabefälle, das sind rund 9 % der KMU der gewerblichen Wirtschaft, davon betroffen sind 251.000 ArbeitnehmerInnen.

Niederösterreich:
Übergabepotential von Unternehmen für die Jahre 2009 – 2013: rund 4.400 Übergabefälle (das entspricht 8 % der KMU), davon betroffen sind bis zu 38.000 ArbeitnehmerInnen

Art der Unternehmensübergabe (2006):
rund 50 % innerhalb der Familie (75 % 1996)
rund 50 % außerhalb der Familie (25 % 1996)

Grund der Unternehmensübergabe (2006):
rund 50 % altersbedingte Übergaben (65 % 1996)
rund 50 % „vorzeitige“ Übergaben (35 % 1996)

Die Hauptursachen warum es zum Scheitern einer Betriebsübergabe kommt:
Verhältnis ÜbergeberIn - NachfolgerIn / Spannungen in der Familie (42 %)
Nichteinbeziehung des/der NachfolgerIn in die Nachfolgeplanung (40 %)
Nichteinbeziehung externer Unterstützung

Welche Überlegungen sollten vor der Übergabe von Übergeber unternommen werden?
Wie übergabetauglich (attraktiv) ist das Unternehmen?
Wer ist der/die geeignete NachfolgerIn? (innerhalb der Familie oder außerhalb?)
Wie viele Mitspracherechte möchte ich mir beim/bei der NachfolgerIn sichern?
Wie ist die Wohnsituation nach der Übergabe
Wie sind die finanziellen Verhältnisse?
Wie können die weichenden Geschwister gerecht abgefunden werden (vorweggenommene Erbfolge)?

Welche Überlegungen sollten vor der Übergabe vom Übernehmer unternommen werden?
Wie übernahmetauglich ist der Betrieb?
Will ich überhaupt UnternehmerIn werden und bin ich geeignet für die Übernahme des zu erwerbenden Betriebes?
Erfülle ich die gewerberechtlichen Voraussetzungen?
Will ich PartnerInnen und wie viele Einflussrechte sollen sie haben?
Welche ist die optimale Rechtsform? (Steuer, Haftung)
Mitsprache/Mitentscheidungsmöglichkeiten der PartnerInnen
Welche Belastungen möchte ich übernehmen? (Kredite, Leibrenten)
Wie ist das familiäre Umfeld?

Unterstützungsangebot der Wirtschaftskammer bei der Betriebsübergabe:
kostenlose Rechtsberatung
geförderte betriebswirtschaftliche Beratung und Wirtschaftsmediation
Informationsmaterial auf www.wko.at
Hilfe bei der Suche von ÜbernehmerInnen und ÜbergeberInnen

Herr Dr. Kandelhofer gab den Unternehmen mit, sich einige Zeit vor der Betriebsübergabe bzw. Betriebsübernahme sich mit dem Gedanken auseinander zu setzen und im Bedarfsfall ein Unterstützung des umfangreichen Angebotes der Wirtschaftskammer anzunehmen und/oder eine Wirtschaftsmediation mit kompetenten WirtschaftsmediatorInnen anzustreben.

Nach den sehr interessanten Informationen von Dr. Kandelhofer wurden die anwesenden UnternehmerInnen von den Vorteil en eines Mediationsverfahrens im wirtschaftlichen Kontext inkl. deren Anwendungsmöglichkeiten informiert – im Speziellen bei Konflikten bei Betriebsübernahmen oder –übergaben. Es ist nicht immer notwendig auf einem emotionalen Konflikt bei einer Betriebsübergabe zu warten. Schon im Vorfeld vor einer Betriebsübernahme kann ein mediativer Prozess in Form von Teamgesprächen unterstützen, damit es gar nicht zu einem eskalierenden Streit im Unternehmen bzw. zwischen neuem Arbeitgeber (Unternehmer) und den bisherigen MitarbeiterInnen kommt.

Den Höhepunkt des Abends bildete die Podiumsdiskussion, moderiert von Ilse Ennsfellner, Obfrau der Fachgruppe NÖ der Unternehmensberater. Die Klosterneuburger Unternehmen Optik Gschweidl und Malerei Hanzal waren stellvertretend für erfolgreiche Übergaben auf der Bühne und beantworteten gemeinsam die zahlreichen Fragen des interessierten Publikums.

Ein Mediationsgespräch kann ebenso präventiv eingesetzt werden, damit Bedürfnisse, eventuell vorhandene Ängste der bisherigen MitarbeiterInnen und Empfindungen in einem ruhigen Rahmen angesprochen werden können, bevor es zu einer Betriebsübernahme durch einen neuen Unternehmer kommt. So kann gestärkt mit viel Freude in die neue Zeit mit einem neuen Arbeitgeber als Chef gegangen werden.

Durch Kooperationen und Informationstransfer mit Sozialpartnern, Institutionen, etc. kann es geschafft werden, dass Mediation in der Gesellschaft als anerkanntes Instrument in den Unternehmen nachhaltig eingesetzt werden kann.

Der Verein „Vermittlungsexperten“ war durch Silvia Kutrowatz, MSc und Mag. Ing. Hannes Oberleitner vertreten.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Silvia Kutrowatz, MSc (0699/116 74 276 bzw. silvia.kutrowatz@gmx.at).